
„Grenzen in Bewegung“: Im Raum eingeschriebene Geschichte
Vom baltischen Meer bis zur Adria wurden die Grenzkontrollen im Dezember 2007 auf einer mehr als 3000 km langen Linie im Zentrum Europas eingestellt. Die Ausstellung „Frontières en mouvement“ zeigt eine Auswahl des von 2006 bis 2009 dort vor Ort gesammelten Materials und begleitet den Besucher bei der Entdeckung dieser Orte vom Sichtbaren zum Unsichtbaren.
Die Grenze ist ein faszinierendes Studienobjekt: Als geographischer Bezugspunkt ist sie das äußerste Ende einer Nation; sie hat eine messbare Länge aber ihre Breite ist nicht genau auszumachen, der Grenzraum wirkt in seine Umgebung hinein. Als abstrakte Linie bezeichnet die Grenze in der Umgangssprache einen Ort. Sie ist ein komplexes System, in das Raum und Konzept, Materielles und Immaterielles einfließen.
Mehr als an einem anderen Ort stellt sich an der Grenze die Frage nach der Beziehung zwischen Raum und Vorstellung, zwischen Ort und Erinnerung. Die geschichtlichen Ereignisse und die durch die Trennung entstandene Distanz haben manchmal unbedeutendem Bedeutung verliehen: eine einfache Schranke verkörpert plötzlich für die Bewohner eines tschechischen Dorfes die Invasion der Tschechoslowakei durch die russischen Panzer 1968. Eine von den Deutschen erbaute Papierfabrik auf heute polnischem Boden scheint die Versetzung einer Grenze und eines ganzen Landes auf den Punkt zu bringen. Ein paar von Wald überwucherte Steine sind die Reste eines nun verschwundenen sudentendeutschen Dorfes.
Die Ausstellung zeigt sieben Orte, die aus den 238 in der Grenzuntersuchung „Enquête frontaliére“ analysierten Orten ausgewählt wurden. Durch verschiedene Medien (Videos, Karten, Fotos, Texte, Filmausschnitte oder vor Ort gesammelte Objekte) versucht sie, die verschiedenen Aspekte dieser so besonderen Orte begreif- und erlebbar zu machen.
Orte und Daten :
Haus der Architektur (MAV) Lille (F) vom 31 März bis zum 23 Mai 2009 (im Rahmen von Lille 3000)
Baden-Baden (D) vom 17 bis zum 30 Oktober 2009 (im Rahmen der Architekturtage)
Idee und Konzeption:
Atelier Limo
Produktion:
Haus der Architektur Lille : Maison de l'Architecture et de la Ville de Lille (www.mav-npdc.com)
Szenographie:
Bureau Ludovic Smagghe (www.smagghe.co.uk)




